AckerPorträt

„Wunderschön ist, dass wir gemeinsam alte Sorten anbauen!“

Rita Breker-Kremer von der Werkhof-Gärtnerei bei der Aussaat
© Thorsten Arendt
Rita Breker-Kremer von der Werkhof-Gärtnerei bei der Aussaat

Leicht ans Telefon zu bekommen ist Rita Breker-Kremer dieser Tage nicht: Denn auch und gerade in der Krisenzeit arbeitet die Leiterin der Dortmunder Werkhof-Gärtnerei unermüdlich weiter, um ihre Kund*innen mit leckerem Bio-Gemüse zu versorgen. Umso glücklicher sind wir, dass wir sie als Interviewpartnerin gewinnen konnten. Auf dem Gärtnereigelände finden regelmäßig Fortbildungen und Workshops der GemüseAckerdemie statt. Wie die Werkhof-Gärtnerei außerdem mit uns zusammenarbeitet und wie sie ihre Pflanzen „artgerecht“ halten, erfahrt ihr in unserem AckerPorträt.

Stellen Sie doch bitte sich und Ihre Gärtnerei kurz vor:
Wir sind eine biologisch-dynamische Gärtnerei im Dortmunder Nordosten. Als sozial engagierter Betrieb bieten wir auch benachteiligten Menschen eine Chance. So arbeiten neben drei hauptamtlichen Gärtnern auch viele Jugendliche und Schüler*innen aus zahlreichen Förderprogrammen bei uns – ebenso wie 15 Menschen im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit (AGH) vom Jobcenter.
Gemeinsam bewirtschaften wir vier Hektar im Freiland und einen halben Hektar in Gewächshäusern mit einem sehr breiten Angebot an Gemüse: Über 100 Sorten Tomaten, 50 Sorten Chili, Paprika und viele, viele mehr. Das Gemüse kommt über die unterschiedlichsten Wege zu unseren Kund*innen: Im Hofladen (zur Zeit natürlich mit den nötigen Sicherheitsabständen), über den Lieferservice Abokiste 24, Wochenmärkte und die Marktschwärmerei hier in Dortmund. Außerdem engagieren wir uns auch in der Saatgutgewinnung von alten Sorten und stellen diese zur Verfügung.
Mit unseren Jungpflanzen beliefern wir neben unserer eigenen Gärtnerei auch viele demeter-Betriebe, Endverbraucher*innen und natürlich die GemüseAckerdemie!

Da haben Sie uns schon das Stichwort geliefert: Wie genau sieht die Zusammenarbeit mit der GemüseAckerdemie denn aus?
In der Regel bekomme ich im Frühjahr die Jungpflanzen-Bestellung für die GemüseAckerdemie, die dann über mehrere Wochen läuft. Wir säen dann rechtzeitig aus und stellen die Jungpflanzen hier im Betrieb zur Verfügung. Anschließend richten die AckerCoaches die Pflanzen her und bringen sie zu den Kitas und Schulen. Johanna und Glenn von der Regionalkoordination haben sogar ein Büro hier auf unserem Gelände angemietet.
Allein schon die erste Lieferung Mitte April umfasste schätzungsweise 50 Kisten mit 90 Pflanzen, also fast 5.000 Stück. Dazu kommen dann noch Gurken, Tomaten, Zucchini, Kürbisse und viele mehr. Insgesamt beliefern wir die GemüseAckerdemie bestimmt mit 10.000 Jungpflanzen pro Saison, auch wenn das schwer zu schätzen ist.

Haben Sie auch besondere Erinnerungen?
Wunderschön ist, dass wir hier gemeinsam einen tollen ReferenzAcker für die Kinder angelegt haben! Dieser wird hauptsächlich von der GemüseAckerdemie genutzt, aber wir bauen dort auch ältere Sorten für die Saatgutgewinnung an. Viele alte Sorten, die wir im Betrieb selbst nicht haben, dürfen wir dort dann auch so lange stehen lassen, bis wir das Saatgut gewinnen können – auch das ist für uns etwas Besonderes.
Ich selber bin übrigens sowohl Gärtnerin als auch Sozialpädagogin und habe schon viele Jahre tolle Erfahrungen mit Kinder-Projekten und -Aktionen gemacht, vom Anlegen kleiner Gärten und Führungen bis zu Verkostungen.

Was ist Ihnen bei Ihren Pflanzen wichtig und haben Sie eine besondere Vorgehensweise?
Also das fängt schon bei der Erde an: Da benutzen wir nur eigenen Kompost und Bio-Erde. Bei der Saatgutwahl achten wir darauf, soweit möglich auf samenfeste Sorten zu setzen. Die Pflanzen selbst ziehen wir möglichst „artgerecht”: Das heißt, wir pikieren und topfen sehr viele Pflanzen und setzen sie durch jeden Arbeitsschritt noch einmal tiefer in die Erde. Dadurch können sie kräftiger wachsen. Wir haben sogar verschiedene Temperaturzonen in unseren Gewächshäusern, damit jede Sorte artgerecht wachsen kann.

Liebe Frau Breker-Kremer, wir bedanken uns für das Interview, freuen uns auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit und wünschen Ihnen und Ihrer Gärtnerei blühende Zeiten!

Rita Breker-Kremer von der Werkhof-Gärtnerei mit Tomatenkisten
Rita Breker-Kremer von der Werkhof-Gärtnerei mit geernteten Tomaten
Rita Breker-Kremer von der Werkhof-Gärtnerei im Folientunnel
Rita Breker-Kremer von der Werkhof-Gärtnerei im Folientunnel
Tomatenvermehrung bei der Werkhof-Gärtnerei
Tomatensamen zur Vermehrung in der Werkhof-Gärtnerei Dortmund
Zahlreiche Tomaten auf Tellern (Werkhof-Gärtnerei Dortmund)
Zahlreiche Tomaten auf Tellern in der Dortmunder Werkhof-Gärtnerei