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Währung Wirkung – der Wirkungsbericht 2020 ist erschienen

Der jährlich erscheinende Wirkungsbericht unseres Bildungsprogramms ist für 2020 erschienen! Komplettiert werden die drei informativen Teilberichte durch den AckerReport, der Einblicke in die Organisation des Ackerdemia e.V. und einen Überblick über die Organisationsstruktur und das Team gibt. Schwerpunkt der Berichte ist jedoch die Wirkungsmessung: Welche Bedeutung sie für die GemüseAckerdemie hat, erfahrt ihr in unserem Interview mit Franziska Lutz, Mit-Autorin der Wirkungsberichte bei Ackerdemia.

Interview: Stefanie Kreil & Franziska Lutz | Ackerdemia e.V.
Fotos: Ackerdemia e.V.

Die erste Wirkungsanalyse unserer Arbeit begann bereits 2013 – mit dem ersten Praxistest an der Realschule Bedburg in Nordrhein-Westfalen und damit buchstäblich mit dem ersten Spatenstich. Damals gab es den Verein Ackerdemia noch nicht und es war ein rein privates, wenngleich wissenschaftlich und konzeptionell begleitetes Hobby vom späteren Gründer Christoph Schmitz. Mit-Autorin Franziska Lutz verantwortet die Herausgabe der vier Teilberichte und erläutert, welche Methodik hinter der Analyse steckt und welche Erkenntnisse sie für 2020 besonders überrascht haben.
 

GemüseAckerdemie: Seit wann veröffentlicht Ackerdemia Wirkungsberichte?
Franziska: Die Wirkungsanalyse haben wir bereits mit der ersten Schule 2013 gestartet, in dem wir eine Bachelorarbeit an der Pilotschule begleitet haben. Der erste Wirkungsbericht wurde von uns dann 2014 veröffentlicht. Damals führten wir die GemüseAckerdemie mit sieben Klassen beziehungsweise AGs an sechs unterschiedlichen Schulen in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen durch. Insgesamt 130 Kinder haben damals daran teilgenommen. Mittlerweile verwenden wir verschiedene wissenschaftliche Methoden, die uns darin unterstützen, eine wirkungsorientierte Steuerung umzusetzen, um die Prozesse und Inhalte der Programme kontinuierlich zu überprüfen und zu verbessern. Inzwischen haben wir insgesamt über 77.000 Kinder in ganz Deutschland sowie Teilen von Österreich und der Schweiz erreicht. Trotzdem arbeiten wir weiter an der Optimierung und Verbesserung der Wirkung. Da sind wir sehr perfektionistisch!
 

Was hat sich seit den Anfängen verändert?
Alles! (lacht) Wo soll ich anfangen?! Der erste Bericht wurde noch sehr einfach gehalten, inzwischen gestalten wir ihn zusammen mit unserem Design-Team. Aber nicht nur die grafische Darstellung ist professioneller geworden, auch die methodische Herangehensweise an die gesamte Wirkungsanalyse hat sich im Laufe der Jahre stark entwickelt. Wir haben viel Erfahrung mit unterschiedlichsten qualitativen und quantitativen Erhebungsmethoden und unseren Zielgruppen gesammelt und haben mit vielen Universitäten im Rahmen von Abschlussarbeiten und Forschungsprojekten kooperiert. Im Moment sind wir dabei, standardisierte Verfahren zu implementieren und die Wirkungsketten der Programme noch besser zu verstehen. Wir hantieren inzwischen aufgrund der steigenden Anzahl an Lernorten mit riesigen Datenmengen. Außerdem ist natürlich auch unser internes Wirkungsteam gewachsen.
 

Was ist der Grund für die Erstellung der Wirkungsberichte?
Wir stellen die Wirkung in den Mittelpunkt unserer Organisation – sie ist unsere Währung. Es ist uns wichtig zu belegen, dass es uns nicht zum Selbstzweck gibt, sondern dass wir Veränderung bewirken. Die Konzepte unserer Programme beinhalten deshalb Wirkungsziele, die wir regelmäßig überprüfen und evaluieren. Die Ergebnisse machen wir für Lehrkräfte, Pädagog*innen, Interessierte, Presse, Partner und Förderer transparent. Außerdem ist es motivierend für alle Mitarbeiter*innen von Ackerdemia zu sehen und zu lesen, dass sich unsere Wirkungsziele bestätigen. Die Wirkungsberichte geben aber nicht nur einen Über- und Einblick in unsere Programme. Wer unseren AckerReport durchblättert, bekommt ein umfassendes Bild von uns als Organisation und davon, wie wir denken, handeln und wirken.
 

Welche Methoden der Datenerhebung verwendet die GemüseAckerdemie und warum?
Wir verwenden verschiedene Methoden der Sozialforschung. Dazu gehören beispielsweise Prä-Post-Design, also Vorher-Nachher-Befragungen mit Kontrollgruppen, Fokusgruppengespräche, leitfadengestützte Interviews, Online-Surveys und teilnehmende Beobachtungen. Wir legen Wert auf diese Triangulation, denn es ist uns wichtig alle Zielgruppen miteinzubeziehen und qualitative und quantitative Forschungsmethoden anzuwenden. Wir greifen auf Methoden zurück, die sich in den letzten sieben Jahren bewährt und bestätigt haben, sind aber auch weiterhin offen dafür, neue Methoden, beispielsweise mehr experimentelle Herangehensweisen zu testen. Aktuell versuchen wir aufgrund unserer bisherigen Erkenntnisse eine standardisierte Wirkungsanalyse zu etablieren und einige unserer Wirkungsfelder noch detaillierter zu untersuchen. Längerfristig wollen wir eine Langzeitmessung initiieren.
 

Was hat dich, Franziska, besonders überrascht beim AckerReport?
Bei der Erstellung des AckerReports, also dem Bericht, wo wir unsere Arbeit vorstellen, hat mich überrascht, dass es mittlerweile beinahe unmöglich ist, alle Mitarbeiter*innen auf einem Bild zu vereinen. Wir sind inzwischen über 100 Menschen im Team! Beim letzten großen Team-Treffen haben wir, auch aufgrund der Abstandsregeln natürlich, Fotos mit nur kleinen Gruppen vor der Backsteinmauer gemacht, die meiner Meinung nach sehr gelungen sind. Mein Anliegen ist es zu zeigen, wer die Menschen sind, die hinter der Organisation stehen, was ihnen wichtig ist, was uns verbindet und in Aktion bringt.
 

Und bei den Berichten zu unseren Bildungsprogrammen?
Bei der AckerKita hat mich nicht wirklich überrascht und dennoch gefreut, dass wir im Rahmen der Vorher-Nachher-Befragung mit Kita-Kindern deutlich erkennen konnten, dass die kontinuierliche Teilnahme am Programm einen starken Effekt auf die Kinder hat. Die Kinder, die öfter und länger an den AckerStunden teilnehmen, wissen grundsätzlich mehr als Kinder, die nur wenig geackert haben. Bei der AckerSchule haben mich vor allem die Interviews mit den Lehrer*innen und Schulleiter*innen sehr beeindruckt. Ihre Begeisterung und Motivation für die GemüseAckerdemie zu spüren, ist großartig und es ist bemerkenswert, wie viel Engagement von einzelnen Personen sowie dem ganzen Lernort in der Verwirklichung des Ackers steckt. Immer wieder aufs Neue begeistert mich außerdem, von Lehrer*innen und Eltern zu hören, dass die Popularität von Gemüse über die AckerSaison hinweg bei vielen Schüler*innen steigt und Gemüse gegessen wird, das vor dem Programm klar verschmäht wird. Toll!
 

Und dein Lieblingszitat der vergangenen Jahre aus einem Bericht?
Eine Lehrer*in gab einmal an: „Ich freue mich, dass meine Schulleitung mich damals ‚überredet‘ hat, AckerLehrerin zu werden.“ Das Zitat zeigt, dass es sich lohnt, Zweifel beiseitezuräumen, über den eigenen Schatten zu springen und was Neues auszuprobieren. Mit Mut fangen eben die schönsten Geschichten an!
 

Danke für das Interview, Franziska!