AckerPorträt

(Mit) Der Krise gewachsen: Ackerdemia im Corona-Jahr

Unser Gründer und Geschäftsführer Dr. Christoph Schmitz beim großen Teamevent im September
© Ackerdemia e. V. / Laurent Hoffmann
Unser Gründer und Geschäftsführer Dr. Christoph Schmitz beim großen Teamevent im September

Gesellschaftliche Herausforderungen meistern – das ist Sinn und Zweck von Ackerdemia. Im Corona-Jahr 2020 blickt Gründer und Geschäftsführer Christoph auf eine außergewöhnliche Saison zurück. Lest im AckerPorträt, wie die Krise das Sozialunternehmen nicht gestoppt, sondern gestärkt und den Acker als idealen Lernort etabliert hat.

Lieber Christoph, vor ziemlich genau einem Jahr hat dich Lydia zu 5 Jahren Ackerdemia interviewt. Der Artikel auf unserer Webseite trägt ein Zitat von dir als Überschrift: „Jede Krise ist eine Chance.“ Würdest du das heute noch immer so sagen?

Auf jeden Fall! Natürlich muss man hier differenzieren: Es gibt Personen und Organisationen, für die Corona eine existenzielle Krise darstellt. Grundsätzlich liegt aber weiterhin in jeder Krise eine Chance – auch und gerade in der Corona-Krise. Das gilt sowohl für uns als Gesellschaft, als auch für Ackerdemia als Organisation. 

Selbstverständlich hat Corona auch uns sehr intensiv beschäftigt, da wir direkt mit Schulen und Kitas kooperieren. Dass diese auf einmal geschlossen waren, noch dazu am Anfang der Ackerzeit, in der wir besonders oft und eng mit den Lernorten zusammenarbeiten – all das hat uns vor ganz neue Herausforderungen gestellt. 

Aber wir haben die Krise bisher ganz gut gemeistert. Zum einen haben wir unheimlich schnell auf die neuen Umstände reagiert und unser System angepasst. Zum anderen haben die Lehrer*innen und Erzieher*innen deutlich mehr Akzeptanz gegenüber digitalen Tools entwickelt. Ein Webinar oder eine Pflanz-Fortbildung über Zoom ist für viele Pädagog*innen kein großes Problem mehr. So haben wir bei der Zusammenarbeit mit den Lernorten in nur fünf Monaten einen Grad der Digitalisierung erreicht, der ohne Corona wohl fünf Jahre gedauert hätte.

Insgesamt war die Krise also ein Beschleuniger

Wie ist denn Ackerdemia selbst digital aufgestellt, was beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Lernorten betrifft?

Wir betreiben schon seit längerem eine Online-Lernplattform. An den Login-Zahlen sehen wir, dass die Lehrkräfte sie sehr zahlreich und intensiv nutzen, um sich etwa die Infomaterialien und Videos online anzusehen. Durch Corona hat das nochmal einen ganz besonderen Boost bekommen. Auch von unserer Seite sind viele neue Formate hinzugekommen.

Was von außen betrachtet weniger deutlich wird, sind die vielen internen Prozesse, die wir in den letzten zwei, drei Jahren digitalisiert und vereinfacht haben. Ob digitaler Anbauplaner oder die automatische Rechnungsstellung – all das erleichtert uns den Arbeitsalltag und macht das ganze Programm noch skalierbarer. 

Insgesamt war die Krise also ein Beschleuniger: Sowohl, was die digitale Affinität der Nutzer*innen betrifft, als auch von unserer Seite aus mit neuen Formaten, besseren Angeboten und digitalisierten Arbeitsprozessen.

Die sind jetzt alle sehr froh, mit ihrem Acker einen Lernort im Freien zu haben

Für die Praxis ist der Acker hingegen unverzichtbar. Wie haben Ackern und Corona denn in diesem Jahr zusammengepasst?

Corona hat uns in der Hauptphase getroffen: Wir hatten eine Viertelmillion (!) Jungpflanzen und über 800 geschulte AckerHelfer*innen in den Startlöchern stehen und mussten uns erstmal fragen: „Wie geht’s jetzt eigentlich weiter?” Uns ist aber schnell klar geworden, dass die GemüseAckerdemie den Lernorten eine ideale Lösung bietet: Auf dem Acker können die Kinder naturnah an der frischen Luft lernen, statt im geschlossenen Klassenraum zu sitzen. Daher haben wir uns schnell für die Durchführung der Pflanzungen entschieden: Zu Beginn noch ohne Kinder, kamen dann zu den weiteren Pflanzterminen erst die Kinder der Notbetreuung und ab Juni auch die Regelklassen hinzu. Draußen können wir auch gut auf die Einhaltung der Abstände und Hygienemaßnahmen achten.

Insgesamt haben über 98% aller Schulen und Kitas wie geplant ihren eigenen Acker bekommen. Das sind über 600 Lernorte! Die sind jetzt alle sehr froh, mit ihrem Acker einen Lernort im Freien zu haben.

Was macht dich im Rückblick auf diese ungewöhnliche Zeit besonders stolz?

Ganz klar der Zusammenhalt bei Ackerdemia! Wie das Team in der Krise reagiert hat, die ja für jede*n absolut unvorhersehbar war, und wie dann jede*r füreinander da war – das erfüllt mich richtig mit Stolz. Wir haben intern einen Hashtag #ährensache, der war in den letzten Monaten definitiv der meistgenutzte! 

Durch Corona fanden sich einige Teammitglieder auch persönlich in besonders herausfordernden Situationen wieder, zum Beispiel aufgrund der Kinderbetreuung. Da sind dann Kolleg*innen mit mehr Kapazitäten eingesprungen. Dass wir Ackerdemiker*innen uns total aufeinander verlassen können, das ist bestimmt ein Aspekt, der seit Beginn der Corona-Phase besonders deutlich geworden ist. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, haben wir alle die Ärmel hochgekrempelt, gemeinsam angepackt und die Krise als Team geschultert. 

Bis Ende 2021 wollen wir die magische Zahl von 100.000 teilgenommenen Kindern knacken

Wie geht es im nächsten AckerJahr weiter? Was erhoffst du dir für 2021?

Unser großes Ziel ist, dass jedes Kind in Deutschland lernt, wie Lebensmittel angebaut werden und wie Natur funktioniert. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Für 2021 haben wir uns daher  vorgenommen, von derzeit über 600 teilnehmende Schulen und Kitas auf über 850 zu wachsen. Bis Ende 2021 wollen wir so die magische Zahl von 100.000 teilgenommenen Kindern knacken.

Auch inhaltlich entwickeln wir unser Programm und Service-Angebot stets weiter, um es wirkungsvoller und nachhaltiger zu gestalten. Im nächsten Jahr werden wir einige Neuerungen praktisch umsetzen, zum Beispiel das AckerBuddy-Programm. Mit den AckerBuddys werden wir zukünftig mehr Personal vor Ort ausbilden und somit den Kompetenzaufbau direkt an den Lernorten fördern. Das ist eine wichtige Zukunftsinvestition in unser Ziel, die Lernorte zu selbst- und eigenständigem Ackern zu befähigen.

Für die Kitas entwickeln wir gerade neue Bildungsmaterialien und bei den Schulen starten wir im nächsten Jahr mit der GemüseKlasse wieder voll durch.

Außerdem sind da noch unsere zwei anderen „Pflänzchen” (schmunzelt): Black Turtle und die Ackerpause werden auch im nächsten Jahr fleißig weiter wachsen und noch viel mehr Menschen den Wert des eigenen Anbaus von Lebensmitteln näherbringen.

Christoph, das klingt viel erfreulicher, als man angesichts der Umstände vermuten könnte. Welches Ereignis ist dir denn am positivsten in Erinnerung geblieben?
Das absolute Highlight für mich war unser Teamevent im September! Nach acht Monaten alle Ackerdemiker*innen draußen auf dem Malzfabrikgelände wiederzusehen – das war wunderschön und hat uns allen sehr viel Freude bereitet. Schließlich kamen wir mit dem guten Gefühl zusammen, die Krisenzeit gemeinsam gemeistert zu haben und positiv in die Zukunft blicken zu können!

Lieber Christoph, wir bedanken uns für das Interview und wünschen Ackerdemia weiterhin viel Erfolg!

Mitarbeiter*innen von Ackerdemia springen beim großen Teamevent

© Ackerdemia e. V. / Laurent Hoffmann

Mit Ackerdemia hoch hinaus: Ackerdemiker*innen beim großen Teamevent in Berlin
Laptop mit Videokonferenz: Ackerdemiker*innen während des großen Teamevents Sep 2020

© Ackerdemia e. V. / Laurent Hoffmann

Wer nicht in Berlin sein konnte, war digital voll dabei!
leeres Berliner Zentralbüro während der Lockdown-Phase

© Ackerdemia e. V.

Alle im Home Office - nur Maskottchen Orangela Möhrkel hält im Berliner Büro tapfer die Stellung
Schüler*innen ackern mit Abstand und Masken (Friedrich-Ebert-Schule Griesheim)

© Ackerdemia e. V.

Mit Abstand, Maske und ungebrochenem Eifer dabei: Schüler*innen der Friedrich-Ebert-Schule Griesheim beim Ackern unter Corona-Bedingungen
Schülerin mit Maske hält geerntete Bete ins Bild (Friedrich-Ebert-Schule Griesheim)

© Ackerdemia e. V.

Trotz Maske ist das Lächeln unübersehbar: eine Schülerin der Friedrich-Ebert-Schule Griesheim präsentiert stolz die selbst geerntete Bete