AckerReportage

Ackerspaß für Jung und Jünger

Mädchen läuft auf dem Laub beim Erntedankfest des JAW Plön / Kita Regenbogenhaus
© Ackerdemia e. V. / JAW Plön / Kita Regenbogenhaus

Eine Begegnungsstätte für Generationen: Diese ungewöhnliche Funktion erfüllt ein GemüseAcker im hohen Norden Deutschlands. Wie beherzte Pädagog*innen mit viel Enthusiasmus dafür sorgen, dass Kita-Kinder und junge Menschen zusammen jäten, hacken und ernten, erfahrt ihr in unserem AckerPorträt.

Eine Brücke zwischen Generationen

Idyllischer als auf dem holsteinischen Koppelsberg kann ein Acker kaum liegen: Beidseitig von Seen umgeben, findet man die blühenden Beete des Jugendaufbauwerks (JAW) Plön-Koppelsberg imitten einer schmalen Landbrücke. Brücken schlägt auch das evangelische Bildungsprojekt selbst: „Bei uns ackern Jugendliche zusammen mit drei- bis sechsjährigen Kita-Kindern”, erklärt Christoph Kohrt von der Evangelischen Kita Regenbogenhaus, die mit dem JAW den gemeinsamen Acker betreut. 

Zustande kam die ungewöhnliche Kooperation auch, um die Kernaufgabe des Bildungswerks zu stärken – nämlich Brücken zwischen Lebensphasen zu bauen. „Unsere Maßnahmen helfen bis zu 750 benachteiligten jungen Menschen, den Weg von der Schule ins Berufsleben zu finden”, erläutert Wiebke Lange, Diakonin des JAW. Unter diesen vielfältigen Maßnahmen befinden sich berufsvorbereitende und -begleitende Projekte von der Arbeitsagentur genauso wie Auslandspraktika über Erasmus+ – und natürlich die GemüseAckerdemie. 

Ernährung und Gesundheit spielerisch ins Bewusstsein rücken

Doch wie kamen Jugendaufbauwerk und Kita zu ihrem GemüseAcker? „Ich wollte die Themen Gesundheit und Ernährung stärker in den Fokus rücken”, erinnert sich Wiebke Lange. „Um unseren Schützlingen klar zu machen, dass die Möhre nicht aus der Dose kommt, sondern aus der Erde”, fügt sie schmunzelnd hinzu. Bei ihren Recherchen nach einem passenden Bildungsprogramm stieß sie bald auf die GemüseAckerdemie – und war hellauf begeistert: „Davon musste ich sofort Herrn Kohrt erzählen!” Der Erzieher, dessen Kita auch Frau Langes Tochter betreut, schwärmt noch heute von ihrem Anruf. „Als mir Frau Lange am Telefon das Programm der GemüseAckerdemie erklärt hat, dachte ich sofort: ,Wie sechs Richtige im Lotto mit Zusatzzahl!’”

Seit diesem Anruf vor drei Jahren packen die Kinder, Jugendlichen und Pädagog*innen jeden Donnerstag ihre Hacken, Rechen und Gießkannen aus. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie dabei von FÖJler*innen und Engagierten vom Ökologischen Bundesfreiwilligendienst.

Gemeinsam Gemüse an- und Vorurteile abbauen

Ein ungewöhnliches Konzept – mit ungewöhnlichem Erfolg. „Das gemeinsame Ackern hat sich als Segen für alle entpuppt: für die Kinder, die Jugendlichen und für uns”, fasst Frau Lange die bisherigen AckerJahre zusammen. 
„Die Kinder sehen ja sonst nur uns Erzieher*innen. Auf dem Acker haben sie mit den Jugendlichen neue Bezugspersonen und ordentlich Abwechslung vom Kita-Alltag”, beschreibt Herr Kohrt die Vorteile für die Kleinsten. 

Doch auch die Jugendlichen profitieren vom Umgang mit den Kindern: „Unsere Maßnahmen sollen jungen Menschen helfen, die es nicht einfach im Leben haben und hatten und oft gesellschaftlich stigmatisiert werden”, erinnert Wiebke Lange an die Kernaufgabe des Jugendaufbauwerks. Mit Vorurteilen begegnen ihnen die drei- bis sechsjährigen Kita-Kinder indes nicht – wohl aber mit viel Elan und kindlicher Lebensfreude. „Die ,Lütten’ toben herum und erheitern die Großen mit ihrer Unbeschwertheit. Gemeinsam haben sie richtig viel Spaß!”, freut sich Christoph Kohrt.
Auch in die berufsvorbereitenden Maßnahmen ist das generationenübergreifende Ackern integriert: „Die jungen Leute können so ausprobieren, ob ihnen Tätigkeiten im Freien oder mit Kindern liegen und Freude bereiten”, erläutert Frau Lange. 

Und die Pädagog*innen? Die ackern selbst engagiert mit und freuen sich über die willkommene Entlastung, wenn Jugendliche und Kinder miteinander ins Beet vertieft sind.

Volles Programm auf dem Acker

Auch wenn jeder AckerTag seine eigenen Überraschungen bereithält, gibt es ein festes Rahmenprogramm: Nachdem die Eltern ihre Kinder morgens auf den Acker gebracht haben, besprechen alle gemeinsam die anliegenden Aufgaben. Ein erstes Highlight seien die AckerGeschichten mit Rudi Radieschen, der bei den Kindern viele Fans gewonnen hat, wie Frau Lange erzählt. Ist der Hunger groß, steht anschließend ein kurzes Frühstück an, bevor es mit dem vollen Programm losgeht: Hacken, Unkraut jäten und Wässern, immer wieder unterbrochen von spontanen Spielpausen.

Doch Ackern und Spielen macht hungrig. Für die Mittagszeit begeben sich daher ein bis drei Kinder in die Küche und helfen Diätassistentin und Köchin Inga Voss beim Schnippeln und Rühren für das gemeinsame Mittagessen. „So glücklich habe ich meine Jugendlichen noch nie gesehen”, strahlt Frau Voss. Besonders beliebt sei die Kürbissuppe, die jetzt im Herbst wieder Saison hat. Demnächst kommt aber ein anderer Klassiker auf den Tisch: „Heute haben wir zwei Rieseneimer Kartoffeln geerntet, das gibt Kartoffelsuppe satt!”, verrät Herr Kohrt das kulinarische Programm der nächsten Tage.

Der Acker war auch und gerade in Corona-Zeiten ein willkommener Lern- und Spielort im Freien. „Hinzu kommt, dass wir von der abgeschiedenen Lage hier profitieren”, merkt Christoph Kohrt an. Das weiträumige Gelände, auf dem auch der Acker liegt, biete viel Platz zum Bewegen bei nur minimalem Kontakt mit der Außenwelt.  

„Guck mal, ein Willi Wurm!

Besonders überzeugt hat die Plöner Pädagog*innen der pädagogische Mehrwert der GemüseAckerdemie. „Viele Kinder begegnen der Gemüsevielfalt zu Beginn noch mit einem entschiedenen ,Mag ich nicht!’ Wir führen sie vorsichtig an unbekannte Gemüsearten heran. Letztens gab es beispielsweise Rote-Bete-Salat mit Apfel: Im Nu waren die Schüsseln leer und wir total überrascht!”, erinnert sich Frau Lange. 

Die wachsende Neugier und Experimentierfreude der Kinder beobachten die Pädagog*innen nicht nur am Esstisch: „Hört man anfangs noch oft: ,Ich mach mich doch nicht schmutzig!’, bekommt man die Kinder Wochen später kaum vom Beet los!”, lacht Christoph Kohrt. Frau Lange ergänzt: „Das Verhältnis zur Natur verbessert sich spürbar. Finden wir einen Regenwurm, wird der von den Kindern eifrig mit ,Willi Wurm!’ begrüßt.”
Manche Kinder seien gar so motiviert, dass sie noch total versunken im Beet buddeln, wenn es längst Zeit ist, aufzubrechen. „Die erhalten dann den Titel ,Arbeitstier des Tages’”, erläutert Herr Kohrt. „Und das Schönste ist, dass ihn jedes Mal ein anderes Kind bekommt.”

 

Kita-Kinder und junge Menschen auf dem Acker zusammenbringen: ein tolles Rezept zur Generationen-Verständigung!
Das Rezept der generationenübergreifend beliebten Kürbissuppe wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten: Viel Spaß beim Nachkochen und Schlemmen!

AckerTipp: Rezept für Kürbissuppe

Rezept von Inga Voss, Köchin und Diätassistentin beim Jugendaufbauwerk Plön

Zutaten:

  • 2 EL Butter
  • 1 Zwiebel
  • 1 kg Hokkaidokürbis
  • 600 g Möhren
  • 2 cm frischer Ingwer
  • 500 ml Kokosmilch
  • 1 l Gemüsebrühe
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • etwas Zitronensaft

1. Kürbis, Möhren, Ingwer und Zwiebel schälen und würfeln, in der Butter andünsten. 
2. Mit der Brühe aufgießen und in etwa 15 - 20 Minuten weichkochen. 
3. Alles zusammen fein pürieren. 
4. Die Kokosmilch unterrühren, mit Salz, Pfeffer, Muskat und Zitronensaft abschmecken
Tipp: Mit saurer Sahne servieren (gegen die Schärfe)!

Guten Appetit!

Pädagogin schiebt Kita-Kind der Kita Regenbogenhaus Plön in der Schubkarre

© Ackerdemia e. V. / JAW Plön / Kita Regenbogenhaus

Laub-Lauf beim Erntedankfest des JAW Plön / Kita Regenbogenhaus

© Ackerdemia e. V. / JAW Plön / Kita Regenbogenhaus

Laub-Lauf beim Erntedankfest des JAW Plön / Kita Regenbogenhaus
Laub-Lauf beim Erntedankfest des JAW Plön / Kita Regenbogenhaus

© Ackerdemia e. V. / JAW Plön / Kita Regenbogenhaus