AckerPorträt

AckerPerlen: Albert-Einstein-Gymnasium Hameln

© Albert-Einstein-Gymnasium Hameln
Karin Hänel und Charlotte Schwarz haben die GemüseAckerdemie am Albert-Einstein-Gymnasium Hameln initiiert

Angenehm, Karin Hänel und Charlotte Schwarz! Sie sind AckerLehrerinnen am Albert-Einstein-Gymnasium in Hameln. Gemeinsam haben sie die Teilnahme an der GemüseAckerdemie in die Wege geleitet und beide sind seitdem an Engagement und Tatendrang kaum zu übertreffen. Und weil das Albert-Einstein-Gymnasium seinen Acker und die GemüseAckerdemie besonders erfolgreich integriert hat, gehört es zu unseren „AckerPerlen“. Für diese Rubrik haben wir im Rahmen unserer Wirkungsanalyse Interviews mit den Schulleitungen, Lehrer*innen und Schüler*innen von AckerSchulen gemacht, die durch ihre besonderen Schulkonzepte auffallen. Um ein umfassendes Bild vermitteln zu können, stellen wir euch insgesamt neun dieser AckerPerlen in den kommenden Wochen vor. Heute kommt die zweite AckerPerle: Das Albert-Einstein-Gymnasium in Hameln!

Autorin: Franziska Lutz / Ackerdemia e.V.
Fotos: Albert-Einstein-Gymnasium Hameln

 

Steckbrief

Ort: Hameln
Bundesland: Niedersachsen
Schulform: Gymnasium
Anzahl Schüler*innen: circa 800
AckerKlassen: 5. bis 10. Klassenstufe (zwei Arbeitsgemeinschaften)
Anzahl Lehrer*innen: /  
Mitarbeiter*innen: 84
Anzahl AckerLehrer*innen: 2
AckerSchule seit: 2018
Größe des Ackers: 135 m2

 

„Wir machen das von Anfang an zusammen!“ (Karin Hänel und Charlotte Schwarz)

 

Karin Hänel und Charlotte Schwarz sind die AckerLehrer*innen des Albert-Einstein-Gymnasiums in Hameln. Die Beiden haben die GemüseAckerdemie zusammen initiiert und sind inzwischen ein eingespieltes Team, über deren Engagement der Schulleiter Sönke Koß sehr dankbar ist. „Da steckt unfassbar viel Herzblut drin“, sagt Koß über die beiden engagierten Pädagoginnen. Zum Start der GemüseAckerdemie mieteten Karin Hänel und Charlotte Schwarz in 2018 kurzerhand zwei Gartenparzellen in der nahegelegenen Kleingartenanlage – eine Parzelle für den Acker, die andere für einen naturnahen Garten mit Wildblumen, Insektenhotel und Sandarium, um auch Bienen genügend Futter und Nistplätze bieten zu können. Dass ein Gemüseacker derart Spaß macht, konnten sich die AckerLehrer*innen zunächst nicht vorstellen. Beide hatten großen Respekt davor, dass etwas schiefgehen könnte. „Aber mit der Zeit“, erinnert sich Karin Hänel, „wird man routinierter und entspannter, auch im Anleiten der Kinder“. Wenn beispielsweise „Pastinake als Unkraut rausgerupft“ wird, geht man „lockerer damit um“ und „man ist nicht mehr so verbissen und entsetzt“, wenn mal etwas nicht so funktioniert wie geplant. Inzwischen ist der Acker für die Schüler*innen und das Lehrerkollegium nicht mehr wegzudenken – „alle Kinder finden ihn toll!“ 

 

„Man hat auf dem Acker nicht so den Druck, ob wir das schaffen oder nicht.“ (Karin Hänel)

 

Das Albert-Einstein-Gymnasium integriert die Arbeit auf dem Acker über eine „Arbeitsgemeinschaft Garten“ – sie ist fester Bestandteil des Schulangebots und findet zweimal wöchentlich für 90 Minuten statt. Oft gibt es mehr interessierte Schüler*innen als Plätze für die AckerArbeit, denn „mit mehr als 20 Kindern funktioniert das auch nicht mehr“, so Charlotte Schwarz zur Arbeitsaufteilung. Zur AckerStunde versammeln sich dann 15 bis 20 Sechst- und Siebtklässler*innen sowie Acht- und Neuntklässler*innen, die zur zehn Gehminuten entfernten Gartenkolonie laufen, um „sich an der frischen Luft richtig auszupowern“ (Lukas, 13 Jahre), „mit Spaß viel über die Natur zu lernen“ und „sich unter die Sonnenblumen zu stellen, weil die so groß geworden sind“ (Viktoria, 13 Jahre). Insgesamt sind es 40 Kinder, die sich an zwei Tagen wöchentlich um die Beete kümmern. Doch nicht nur die Garten-AG, auch andere Lehrer*innen nutzen den Acker fächerübergreifend. So wird er in der Oberstufe im Fach Biologie eingebunden, um Artenvielfalt zu vermitteln und beispielsweise die Musterungen von verschiedenen Hummelarten zu vergleichen, die Wespenspinne am AckerRand zu bestaunen oder die Raupen vom Schwalbenschwanz. Auch Kunstunterricht findet hin und wieder auf dem Acker statt. Als Begegnungsort ist der Acker ebenfalls beliebt: zum Schuljahresabschluss finden hier kleine Grillfeste statt. 

 

„Auf dem Acker kann man auch mal die Seele baumeln lassen!“ (Karin Hänel)

 

Für die AckerLehrer*innen ist der Acker ein Ort „an dem der Kopf frei wird“, ein Ort „der Entschleunigung“, das Gegenteil vom eng getakteten Schulalltag. „Auf dem Acker kann man auch mal die Seele baumeln lassen und die Kinder können auch in der Sonne sitzen und sich unterhalten“, berichtet Karin Hänel. „Mit Freunden quatschen“ findet auch Kevin (13 Jahre) am Acker besonders gut. Charlotte Schwarz erzählt, dass „die Kleinen sich immer unfassbar freuen, wenn es etwas zu ernten gibt“: So liebt zum Beispiel AckerSchüler Kerem (14 Jahre) besonders die Tomaten und Christian (13 Jahre) kochte aus einem der angebauten Kürbisse kurzerhand eine Suppe für die ganze Familie. Doch nicht nur die Schüler*innen freuen sich über das Gemüse, auch „andere Lehrer*innen kommen immer gern zum Ernten“, lacht Karin Hänel. Zum Verschenken ausgelegtes Gemüse ist im Lehrer*innenzimmer immer schnell vergriffen. 

 

„Ich finde es toll, wenn Kinder merken, wo das Gemüse herkommt!“ (Sönke Koß)

 

Den Acker findet Schulleiter Koß für jede Schulform wichtig. „Ich kann mir das bei jüngeren und älteren Kindern vorstellen. Es geht darum, den Kontakt herzustellen, mit den eigenen Händen etwas anzupflanzen und zu sehen, wie etwas wächst.“ Der Acker ist für die Schule inzwischen mit zum Aushängeschild geworden, erzählt Sönke Koß stolz. Um ihn strukturell gut in der Schule verankern zu können, findet er es vor allem wichtig, das Lehrpersonal bei ihren Ideen zu unterstützen. Dazu gehört für ihn mindestens, die AckerLehrer*innen mit vier Schulstunden zu entlasten, denn das „Ackern ist gleichwertig mit dem restlichen Unterricht.“ Weiterhin stellt er einen Teil des Schulbudgets zur Verfügung und auch finanzielle Mittel, die der Garten erwirtschaftet hat, werden direkt wieder eingesetzt. Die Schule pflegt zudem Partnerschaften mit Betrieben der Region, die mit ökologischem Dünger, Pflanzerde, Blühsamen oder einem Insektenhotel ausgeholfen haben. Auch Charlotte Schwarz und Karin Hänel sind ihre Begeisterung anzumerken, wenn sie vom Acker erzählen, der das Schulleben maßgeblich bereichert. Dass sich die Kinder während der AckerStunden körperlich anstrengen, auch mal schmutzige Hände haben, finden die Beiden eine wichtige Erfahrung. Und am Ende „bekommt man für die Arbeit unheimlich viel zurück. Von den Kindern, und auch, wenn man im Garten ist und es blüht und summt. Dann hat man ein gutes Gefühl!“