AckerPorträt

AckerHelferin Marion im Interview

Marion ist Anfang 60, lebt im schönen NRW und ist seit über drei Jahren als AckerHelferin bei der GemüseAckerdemie aktiv. Im AckerPorträt erzählt sie uns, warum ihr das Ackern mit Kindern am Herzen liegt, wie so ein Einsatz als AckerHelferin eigentlich abläuft und was für besondere Erinnerungen sie schon gesammelt hat.

Wie kam es dazu, dass du als AckerHelfer bei Ackerdemia angefangen hast und seit wann bist du dabei?
Ich bin seit ungefähr dreieinhalb Jahren bei der GemüseAckerdemie mit dabei. Der Freund meiner Tochter hat sich während seines Studiums als AckerHelfer bei der GemüseAckerdemie engagiert und zu mir gesagt „Hör mal, das wäre doch auch was für dich! Du ackerst gern im Garten und kannst gut mit Menschen umgehen! Das würde doch gut passen“. Und tatsächlich gefielen mir die Idee und das Konzept sehr gut und dann hab ich das einfach gemacht. Ich bin ein paar Mal mit ihm mitgegangen und ich fand das Team, die Kinder und die Aufgaben ganz toll und bin seitdem dabei geblieben.
Da ich berufstätig bin, kann ich gar nicht so oft mitmachen, wie ich gerne würde. 2018 waren es insgesamt 15 und 2019 acht Pflanzungen. Die Schulen liegen nicht immer direkt um die Ecke, da bin ich dann zeitlich begrenzt. Wenn ich in Rente gehe wird das aber definitiv mehr. Da käme dann auch die Arbeit als AckerMentorin in Frage (Hinweis der Redaktion: AckerMentor*innen begleiten eine bestimmte Schulklasse oder Kita-Gruppe eine Saison lang von April bis Oktober wöchentlich auf dem Acker).

Was begeistert dich an der Tätigkeit als AckerHelferin?
Das sind einmal die netten Leute, die da als AckerHelfer und PflanzLeiter bei einer Pflanzung vor Ort sind. Da kommt meistens ein tolles Team zusammen, alle haben einen ähnlichen Spirit. Ihnen ist Nachhaltigkeit und die Natur wichtig und dass Kinder mit der ganzen Thematik in Berührung kommen.

Leider kennen viele Kinder wirklich gar nichts mehr aus dem Garten und wissen nicht, wie welches Gemüse aussieht oder wie es wächst. Die Begegnung mit den Kindern ist mir wichtig. Man versucht die zwei bis drei Stunden wirklich dafür zu nutzen, sie dafür zu begeistern. Und man bekommt wieder einen Einblick, wie das so in den Schulen und Kitas läuft. Wir sind ja nur ein- oder zweimal für ein paar Stunden vor Ort. Die Hauptarbeit liegt wirklich bei den Lehrer*innen und Erzieher*innen.

Und generell sind bei Ackerdemia die Leute toll. Die sind mit Feuer und Flamme dabei. Das ist eine Qualität, die man sonst nicht so hat. Das ist sehr schön zu sehen, was für ein Wahnsinnsengagement die da an den Tag legen, die können sich wirklich mal auf die eigene Schulter klopfen.

Wie sieht ein Einsatz als AckerHelferin aus?
Das variiert immer ein bisschen und hängt stark vom Pflanzleiter und vom Team ab, das sich da auf dem Acker trifft. Das ist jedes Mal eine neue Konstellation, weil es viele verschiedene AckerHelfer*innen gibt. Die Pflanzleiter sind im Lauf der Zeit noch viel professioneller geworden, sie haben einen genauen Ablauf und leiten uns AckerHelfer*innen an. Außerdem kennen sie die jeweiligen Lernorte und können die Ansprache an die Lernorte an die Lehrer und die Kinder sehr gut umsetzen.

Ein Ablauf sieht in etwa wie folgt aus: Meistens sind wir etwa eineinhalb Stunden vor Ort, bevor der Teil mit den Kindern losgeht. Je nachdem, ob es der erste, zweite oder dritte Pflanztermin in der Saison ist, werden dann die jeweiligen Aufgaben verteilt. Bei einer Erstpflanzung schauen wir uns zunächst den Acker an: Wie sieht der überhaupt aus? Muss man da nochmal durchhacken? Wer richtet welche Beete ein? Dann hat man gut zu tun bis dann ein wenig später die Kinder eintreffen. Dann werden erstmal alle Gemüsesorten, die gepflanzt werden, vorgestellt. Dann geht’s in kleinen Teams auf den Acker und man pflanzt mit einer Gruppe von Kindern die Jungpflanzen ein oder sät die Samen aus.

Danach gibt es eine Abschlussrunde, da wird von den Kindern zusammengefasst was gemacht worden ist: Was wurde eingesät? Was haben sie gelernt? Abschließend wird aufgeräumt und dann sind meistens auch schon vier oder fünf Stunden wie im Flug vergangen.

Hast du eine besondere Erinnerung an einen Acker-Einsatz?
Eine besonders schöne Erinnerung hatte ich in einer Kita in Köln 2018 mit einem Flüchtlingsmädchen, die kaum gesprochen hat. Sie hatte Angst davor sich schmutzig zu machen und wollte überhaupt nicht die Erde anfassen. Dazu hatte es auch noch geregnet, sodass der Acker ganz schön matschig war. Ich habe dann angefangen mit den Fingern im Matsch rumzurühren und das Mädchen hat mitgemacht. Dann haben wir angefangen uns gegenseitig Punkte mit der nassen Erde auf den Arm zu malen, bis wir aussahen wie das Sams. Und auf einmal hat sie totalen Spaß dran gehabt und die Angst vor dem Schmutz wurde überwunden und das hat mich total gefreut, wie sie dann doch großen Spaß hatte, in der Erde rumzugraben und ich glaube das war für sie dann auch ein sehr schöner Tag.

Mit den Kindern kann man wirklich immer sehr schöne Erlebnisse haben. Die sind oft erst eher zurückhaltend und wenn dann mal der Knoten geplatzt ist, wenn sie auf einmal irgendwas entdeckt haben, dass sie begeistert – sei es das Gießen oder das Buddeln - dann sind sie hellauf begeistert und kaum noch zu bremsen. Dann muss man aufpassen, dass sie nicht auf einmal viel zu viele Löcher in die Erde graben (lacht).

Was hast du bei der GemüseAckerdemie gelernt?
Ich hab schon einiges gelernt, weil man mit den Pflanzleitungen ja immer Fachleute dabei hat, die sich sehr gut auskennen. Die kann ich dann immer so ein bisschen ausquetschen über Gartenprobleme. Ich habe selten vorher nur wenig Gemüse angebaut, das betreibe ich jetzt intensiver seit ich bei der GemüseAckerdemie dabei bin.

Und natürlich Mulchen! Das hört man ständig bei Ackerdemia, wie wichtig gutes Mulchen ist. Und wenn man das dann mal im eigenen Garten ausprobiert, dann merkt man „Ja, klar! Mulchen ist einfach die Lösung“. Mein Rasenschnitt bleibt jetzt auf jeden Fall schön bei mir im Garten und wandert nicht mehr in die grüne Tonne.

Vielen Dank für deinen Einsatz als AckerHelferin und für das schöne Interview, liebe Marion!

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