AckerKolumne

Nachdenkliches zum Schulanfang

Dr. Thomas Gladis

Dr. Thomas Gladis ist promovierter Biologe und Ökologe. Bereits mit sechs Jahren begann er, seine ersten Pflanzen zu züchten. Seit seinem Studium setzt er sich u.a. für die Etablierung nichtstaatlicher Sortensammlungen ein. Bei seiner Arbeit liegen „Dr. T“ besonders die Erforschung und Erhaltung regionaler Kulturpflanzen am Herzen. In seiner Kolumne schreibt er über alles, was ihn rund um den Acker bewegt.

August ist es geworden, die Tage werden merklich kürzer, die Nächte kühler, doch am Tag brennt die Sonne weiterhin mit viel Kraft vom Himmel. Kaum ein Wölkchen stört sie dabei. In einigen Bundesländern beginnt jetzt schon das neue Schuljahr. Wie werden die SchulÄcker durch die langen Sommerferien gekommen sein? Wurden sie ordentlich gepflegt und ist alles, was reifte, auch geerntet und verwendet worden?

Früher waren viele Kinder genau in der Ferienzeit auf dem Acker: Insbesondere auf dem Land musste dann bei der Ernte geholfen werden. Ein regelmäßiger Schulbesuch war zwar schon damals Pflicht, besaß aus Sicht der bäuerlichen Familien aber nicht unbedingt höchste Priorität. Bildung hatte auf den vorgezeichneten Lebensweg und die Berufswahl der meisten Kinder wenig Einfluss. Auf dem Land herrschte Armut, die Kost war einfach, selten sättigend. Gegen Ende des Winters gab es oft Hungerzeiten. Die Ernte blieb unsicher, musste mit einfachen Gerätschaften eingebracht und händisch weiterverarbeitet werden.

Der Kontrast zu heute ist groß: Wir leben im Überfluss, zu jeder Jahreszeit finden wir im Supermarkt jedes erdenkliche Obst und Gemüse – wir können einfach im Winter Erdbeeren kaufen. Um genug zu essen zu haben, müssen weder Kinder noch Erwachsene selbst der harten Arbeit auf dem Feld nachgehen. Doch langsam verändert sich das Bewusstsein: Viele Schüler*innen gehen jeden Freitag auf die Straße, der Klimawandel ist in aller Munde. Unsere 19.000 GemüseAckerdemie-Kinder freuen sich sicher schon auf ihren Acker nach der Urlaubszeit. Wenn sie sich wieder um ihr Gemüse kümmern können, es dann begeistert ernten und verzehren, mehr noch, wenn sie ihre Äcker liebevoll pflegen und sich obendrein aktiv für eine saubere Umwelt einsetzen, dann wächst die Wertschätzung für Natur und Lebensmittel. Dann liegt Veränderung in der Luft. Ich bin gespannt, was das neue Schuljahr bringt!