AckerPorträt

„Auf dem Acker kriegt man alle Schüler*innen irgendwann und irgendwie.“

Tim Danker auf der Ackerfläche in Buchholz
Tim Danker auf der Ackerfläche in Buchholz

„Das Gymnaisum am Kattenberge (GaK) ist eine ganz besondere Schule“, sagte GemüseAckerdemie-Gründer Christoph Schmitz beim Acker-Kick-Off in Buchholz in der Nordheide. Und Tim Danker ist ein ganz besonderer Lehrer, finden wir. Er unterrichtet Deutsch und Geschichte am GaK und hat die GemüseAckerdemie an die Schule gebracht – 150 Schüler*innen ackern dort in diesem Jahr. Im AckerPorträt erzählt Tim Danker, was den Acker als Lernort für ihn so besonders macht.

Warum wir die GemüseAckerdemie am GaK umsetzen:

Wir haben im Kollegium festgestellt, dass wir ein Mobbing-Problem in der 7. und 8. Klassenstufe haben und uns entschieden, etwas am Unterricht zu verändern. Unser Ziel war es, den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Klassen zu fördern. Wir wollten ein Angebot finden, das auch Fähigkeiten anspricht, die im normalen Unterricht weniger gefragt sind. So wollten wir auch die Schüler*innen aus der Reserve locken, die sonst ihre Stärken nicht so ausspielen können.

Daraufhin haben wir eine Projektgruppe gegründet und uns ein Vierteljahr lang alles Mögliche angeschaut – Floß bauen, Segelkurse, Reiten –, bis wir auf Ackerdemia gestoßen sind. Zwar gab es am Anfang recht viel Gegenwind, aber dann haben wir das Video, in dem Christoph die GemüseAckerdemie erklärt, gezeigt, die Regionalmanagerin hat das Projekt bei uns an der Schule vorgestellt – und dann waren ziemlich schnell alle begeistert. Auch die Schülervertretung fand das Projekt sofort super. Kurz darauf haben wir zwei Äcker mit einer Gesamtgröße von 2,4 Hektar direkt neben der Schule gepachtet. Es sollte von Anfang an auch ein Ideenacker für die ganze Schule und für alle Kolleg*innen sein und so kamen nach und nach immer mehr Acker-Projekte hinzu.

Besondere Erinnerung:

Das Wunderbare ist: Man kann Schule und die Freude am Lernen immer wieder neu entdecken. Unser Acker ist ein Projekt, das viele verbindet: Lehrer*innen, Schüler*innen, Eltern, Externe. Wir haben am Wochenende zusammen Aktionen gemacht, etwa die AckerFläche umzäunt: Es waren so viele Freiwillige da, dass wir den gesamten Acker – und der ist nun wirklich nicht klein – innerhalb von gerade mal drei Stunden umzäunt hatten.

Das Projekt stärkt Gemeinschaft und Teamwork. Man macht gemeinsam etwas mit den Händen, nicht nur mit dem Kopf. Es ist eine Möglichkeit, Schule ein bisschen zu verändern und hat ein Riesen-Potenzial. Und wir vermitteln Inhalte auf dem Acker – neben dem sozialen Lernen können auch kognitive Lernziele erreicht werden. Wir haben sogar ein eigenes Unterrichtfach geschaffen: Soziales Lernen am Projekt, kurz: SoLaP. Darin bewirtschaften die Schüler*innen die AckerFläche mit der GemüseAckerdemie und wir verknüpfen den Acker mit verschiedensten Unterrichtsfächern, zum Beispiel in Geschichte für die Themen Industrialisierung und Migration, in Chemie für Experimente mit Kartoffelstärke oder in Mathe zum Berechnen von Ernteerträgen und Wasserverbrauch mit dem Dreisatz.

Was ich bei der GemüseAckerdemie gelernt habe:

Man kriegt auf dem Acker nicht immer alle Schüler*innen – aber man kriegt alle irgendwann und irgendwie. Auch die, die keinen grünen Daumen haben, sich mal beschweren oder keine Lust auf Umgraben haben. Und das schafft man mit dem normalen Unterricht nicht unbedingt.